assel.net home . myself . pix . www . about . ascii . poetry . !blog . merchandise . impressum
  • Aktuell
  • Fundstücke
  • Gadgets
  • General
  • Music Library
  • Privatleben
  • WordPressNöte
  • .
  • Login
  • Wednesday, 14.6.2006

    Ende der Rücksichtnahme

    Filed under: Aktuell — techno @ 15:55

    DER SPIEGEL-Titel  Nr. 24/2006Keine Frage: Rauchen ist ungesund und nicht cool. Und auch keine Frage: Nichtrauchern den Qualm ins Gesicht zu blasen ist nicht die feine Art. Trotzdem wird es für Raucher höchste Zeit, sich gegen die Intoleranz der Nichtraucherlobby zur Wehr zu setzen.

    In seiner aktuellen Ausgabe titelt DER SPIEGEL “Rauchen: Ende der Toleranz”. Doch von welcher Toleranz ist die Rede? Wie DER SPIEGEL in dem dazugehörigen Artikel selbst schon feststellt, wächst die “Nichtraucherzone der Welt (…) derzeit fast im Vierwochentakt”. Anders ausgedrückt: Die Orte an denen ein Raucher rauchen darf, schrumpfen immer weiter. Dabei ist dieser Vorgang keineswegs auf gesetzliche Hau-Ruck-Aktionen wie das Rauchverbot in Kneipen, Pubs und anderen öffentlichen Räumen in diversen europäischen Ländern beschränkt. Beinahe unmerklich hat sich in den letzten Jahren ein Trend zur Diskriminierung von Rauchern entwickelt. Rauchen in Flugzeugen ist inzwischen selbst auf Langstreckenflügen verboten, die Raucherabteile in Zügen werden kontinuierlich weniger - während sich die Nichtraucher wundern, daß die Luft in den wenigen verbliebenen Raucherabteilen immer dicker wird, und die Raucher im Nichtraucherbereich sitzen und nur zum Rauchen in das betreffende Abteil oder ins Bord-Bistro gehen. Mit der flächendeckenden Errichtung von Einkaufszentren seit den Siebzigern haben sich Bereiche entwickelt, die praktisch auf Schlag zur Nichtraucherzone erklärt werden konnten, was eigentlich nur konsequent ist, nachdem man durch rigide Hausordnungen und paramilitärische Wachdienste andere Randgruppen wie Bettler und Obdachlose von der Benutzung ausgeschlossen hatte. Bei Fastfood-Ketten wie McDonald’s und Burger King gibt es - offenbar unter dem Vorwand der Familienfreundlichkeit - teilweise bereits seit Jahren ein generelles Rauchverbot. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Raucher räumen schneller wieder ihren Platz, um vor der Tür ihre Zigarette zu rauchen, und machen Raum für Eltern, die nichts besseres zu tun haben, als ihre Kinder möglichst früh an den Fastfoodfraß zu gewöhnen.

    Die Nichtraucherlobby funktioniert dabei nach dem Prinzip des geringsten Widerstandes: So trifft etwa das 2004 eingeführte Rauchverbot an Berliner Schulen einerseits die Gruppe der Schüler, die sich selten angemessen (etwa durch eine Verfassungsbescherde) zur Wehr setzen können, und andererseits die Gruppe der Lehrer, die ihre pädagogische Glaubwürdigkeit riskieren, wenn sie gegen diese Verordnung vorgehen. Passagiere von Langstreckenflügen mögen zwar murren, wenn sie ihr Nikotinbedürfnis während des Fluges nicht stillen können, doch die Schiffspassage in die Neue Welt ist nicht wirklich eine Alternative.

    Die vorgeblichen Gründe für die Rauchverbote rangieren dabei zwischen schwer nachvollziehbar und vollkommen absurd. Ob sich etwa “Nichtraucherschutz” durch Abschaffung der Raucherecken auf Schulhöfen erzielen läßt, wage ich zu bezweifeln, denn ganz offensichtlich wird dann auf den Klos geraucht. Auch die häufig angeführten sogenannten “Sicherheitsgründe” kommen sehr unglaubwürdig daher. Nach meinem Kenntnisstand geschehen z.B. Flugzeugunglücke aufgrund von Materialfehlern oder menschlichem Versagen - oder meinetwegen auch wegen der ach-so-gefährlichen Terroristen - , aber nicht weil irgendein Aschenbecher Feuer gefangen hätte. Und die diversen Berichte von Bränden wegen unachtsamer Raucher beziehen sich doch zumeist entweder auf Privatwohnungen oder auf Bereiche, in denen ein Rauchverbot ausnahmsweise mal sinnvoll ist, etwa Feuerwerksfabriken. Ein anderer häufig gehörter Vorwand ist die “Sauberkeit”. Klar, wenn man erst die Aschenbecher entfernt, braucht man sich später nicht zu wundern, wenn überall Kippen auf dem Boden liegen. So geht es immer weiter. Häufig wird quasi hintenrum ein Rauchverbot eingeführt. So ist zum Beispiel das Gaststättenrauchverbot in vielen europäischen Ländern zumeist gar keine Verbraucherschutzmaßnahme, sondern eine implizite Folge des Rauchverbots am Arbeitsplatz (des Gastwirtes). Doch, so muß gefragt werden, ist es denn nötig, ausgerechnet einen Kneipier vor dem Rauch am Arbeitsplatz zu schützen? Gehört es nicht bekannterweise zum Berufsbild eines Wirtes, mit Rauch zu tun zu haben, ähnlich wie ein Bäcker nunmal mit Mehl und ein Tischler mit Holzstaub konfrontiert wird? Und wenn der arme, unschuldige Gastronom schon vor seinem selbsterwählten Schicksal beschützt werden muß, warum darf dann überhaupt noch Alkohol ausgeschenkt werden? Ist nicht der Alkoholismus ein ernstzunehmendes Problem, gerade auch bei einigen Gastwirten, die ständig der Verlockung in Form des Schnapsregals ausgeliefert sind?

    Es ist höchste Zeit für die Raucher, sich gegen die fortwährende Diskriminierung zu wehren. Ziviler Ungehorsam ist gefragt. Jeder Raucher ist gut damit beraten, Rauchverbote stillschweigend zu ignorieren, wo es ihm sinnvoll erscheint, denn sonst bleibt bald wirklich nur noch das traute Heim. Ich nehme gerne Rücksicht auf Nichtraucher - aber nicht auf Rauchverbotsschilder. Und wenn die Nichtraucherlobby so weiter macht, dann ist es - bei allem Verständnis - auch mit der Rücksichtnahme bald vorbei.

    Thursday, 8.6.2006

    Illuminatenkippen!

    Filed under: Fundstücke — techno @ 2:08

    23 Zigaretten, 5 Euro

    Powered by WordPress